[Nähen] Aus kaputter Jeans werden Shorts

Meine Lieblingsjeans teilen alle das gleiche Schicksal: Nach übermäßigem Tragen reiben sie sich zwischen den Beinen auf und ich fange an sie zu flicken bis ich aufgeben muss.

Aufgeriebene Stellen am Schritt, mit rot ist die Mittelnaht von vorne nach hinten markiert

Heute ist mir endlich mal eingefallen, was ich mit den guten Stücken doch noch anfangen kann: Shorts draus machen! Das Prinzip ist eigentlich recht einfach: Die Beine werden abgeschnitten, der abgeriebene Mittelteil rausgeschnitten und mit Stoff von den abgeschnittenen Beinen ersetzt. Da ich Shorts grundsätzlich etwas weiter mag, werden in die Seitennähte noch zusätzliche Keile eingefügt (ebenfalls aus den abgeschnittenen Beinen) und Saum kann man dann beliebig machen – ich  hab ihn auch noch aus den Ex-Beinen gemacht. Und weil ich gerade so in Laune war, hab ich von der ganzen Aktion nen Stapel Fotos gemacht und beschlossen eine kleine Anleitung zu schreiben. Bitte erst mal komplett lesen, dann fällt die Planung leichter🙂

Material

Nicht besonders viel. Eine alte Jeans, Garn und Mut zur Schere zu greifen reichen aus.

Anleitung

Zuerst mal müssen die Beine von der Jeans weg. Dabei sollte man sich schon einmal Gedanken darüber machen, wie später die Säume gemacht werden und natürlich wie lang die Shorts werden sollen. Ich wollte knielange Shorts haben, und hab sie auch ziemlich genau auf der benötigten Länge abgeschnitten, da ich ja später noch aus Rest-Beinstoff einen Saum drangesetzt habe. Wenn man die Beine später nur umfaltet muss man auf jeden Fall noch genug Länge daran lassen. Dafür müssen dann auch die Ersatzteile für den Schritt später entsprechend groß und lang werden.

Reperatur im Schritt

Wenn die Beine weg sind, kann man probehalber anzeichnen wo man den Schrittteil wegschneiden möchte. Wo ich das gemacht habe, ist auf dem Foto unten zu sehen. Die rot markierte Naht ist die Mittelnaht zwishen dem linken und rechten Hosenbein. Zur besseren Übersicht habe ich die auch schon oben markiert und die taucht auch noch ein paar mal öfter auf.

Der angezeichnete Teil wird weggeschnitten, rot markiert wieder die Mittelnaht

Die andere Schnittbegrenzung ist die innere Naht zwischen dem vorderen und hinteren Hosenbeinteilen. Am Besten die angezeichnete Hose dann nochmal anziehen und im Spiegel anschauen ob einem das so passt, gegebenenfalls ändern.

Dann muss man ein wenig Mut haben und dieses Teil auch ausschneiden. Aber da die Hose sowieso nicht mehr tragbar ist, kann man ja eh nichts schlimmer machen.

Und so sieht die Hose ohne den kaputten Teil aus

Jetzt sieht die Hose also erstmal ziemlich zerstört aus. Die Kappnaht habe ich übrigens später auch noch weggeschnitten, aber ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt die aufzutrennen um nicht so viel Stoff zu verlieren. War mir dann aber zu  umständlich.

Als nächstes muss ein Ersatzteil erstellt werden. Praktischerweise hat man ja genau ein richtig geformtes Stoffstück zur Hand, das habe ich dann an der Mittelnaht nochmal auseinander geschnitten. Dadurch bekommt man diese beiden Teile:

Die beiden Hälften des weggeschnittenen Teils

Die kann man dann auf die abgeschnittenen Beine legen, abzeichnen und mit einer extra großen Portion Nahtzugabe neu ausschneiden. Die Nahtzugabe waren bei mir sicher 2 cm oder mehr, das wird auch gebraucht, da man ja an der Hose selbst keine extra Nahtzugabe mehr einplanen kann.

Die beiden neuen Teile werden auch zuerst an der Mittelnaht wieder zusammengenäht. Wie man das macht ist einem selbst überlassen, ich hab eine Kappnaht gemacht. Dafür hab ich die beiden Teile erst mal rechts auf rechts zusammen genäht, dann eine Nahtzugabe auf 1,5 cm gekürzt und die andere auf 0,5 cm. Dann wird die längere um 0,5 cm gefaltet, über die kürzere geleget und an der Faltkante festgesteppt. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten Kappnähte zu machen, aber die sieht auf jeden Fall ordentlich aus. Dann ist das Ersatzteil für den Schritt auch schon fertig, es sollte die gleiche Form haben wie das vorher ausgeschnittene:

Und hier sind sie wieder zusammengefügt

Das wird dann wieder in die Hose eingefügt, festgenäht und die Nähte wieder beliebig versäubert. Und schon hat man eine anziehbare Hose🙂

Das Ersatzteil wird an der richtigen Stelle festgesteckt und angenäht

Änderung der Beinweite

Für die muss man erst überlegen, ab wo die Weite geändert werden soll. Da mir die Hose ja oben super passt, hab ich sie angezogen und an der Seitennaht markiet, wo ich unter dem Schritt bin. Die Länge hab ich ausgemessen und auf der anderen Seitennaht auch aufgetragen.

An der Seitennaht abmessen wie weit sie geöffnet werden soll und anzeichnen

Wenn man die Beine nicht genau gleich lang abgeschnitten hat, sollte man natürlich klugerweise vom Hosenbund aus messen, nicht vom Beinende. Bei mir waren sie aber gleichlang.

Die Seitennaht hab ich dann tatsächlich aufgetrennt und nicht rausgeschnitten. Wenn das passiert ist, kann man die Hose auch wieder anziehen und vor dem Spiegel überlegen wie viel Weite man dazu geben möchte. Ich bin da auf 10 cm gekommen, so als Anhaltspunkt.

Aufgetrennte Seitennaht

Dann muss man nur ein Dreieck auf den Ex-Hosenbein-Stoff aufzeichnen, als Grundseite die zusätzliche Weite nehmen und als Höhe die aufgetrennte Länge. Die beiden Dreiecksseiten sind dann zwar minimal länger als diese aufgetrennte Länge, aber das ist so wenig, dass ich nicht weiter rechnen wollte.

Der Keil wird an den beiden langen Seiten an die Nahtzugabe der aufgetrennten Seitennähte genäht. Dabei muss man nur darauf aufpassen, dass einem die Spitze des Keils nicht im Weg ist. Von innen sieht das dann so aus:

Eingenähter Keil von innen...

… und von außen so:

... und von außen

Beinabschluss

Jetzt wird die Hose nochmal angezogen und wegen der Länge geschaut. Bei mir waren zum Beispiel die Schrittersatzteile ein bisschen zu kurz, die Keile dafür zu lang und durch die Änderungen sahen beide Beine generell in der Mitte ein wenig länger aus als außen. Also solange begradigen bis alles passt.

Wie ich schon erwähnt  hatte, kann man die Beine dann abschließen, wie man möchte. Man sollte nur darauf aufpassen, dass die ganzen enstandenen Nahtzugaben beim rechten und linken Bein jeweils in die gleiche Richtung schauen.

Ich hatte auf meinen abgeschnittenen Bein Stoffstücken noch genug Platz, um daraus Säume für beide Beine machen zu können. Dafür hab ich zwei lange Streifen ausgeschnitten, die zu einem langen Streifen zusammengenäht, längs mittig gefaltet und dann wie eine Art Schlauch unten an die Beine gehängt. Hier hab ich übrigens eine (furchtbar anzusehende😉 ) Schemazeichnung gemacht, wie ich den Stoff der abgeschnittenen Beine aufgeteilt habe:

Stoffaufteilung am abgeschnittenen Hosenbein

Die blaue Linie ist der alte Hosenbeinabschluss, die gestrichelte Linie also die Schnittkante. Der schwarze Querstrich ist die Naht zwischen der Beinvorder-  und Rückseite. Oben sind in rot ein Schrittersatzteil und ein Keil für die Weite gezeichnet, den unteren Teil  hab ich längs in zwei Hälften geteilt für die neuen Beinabschlüsse.

Und damit ist man auch schon fertig, meine ersten Sommershorts sehen so aus:

Fertige Shorts!

Ich hab noch ein oder zwei alte Jeans rumliegen, die werde ich bei Gelegenheit auch mal umändern. Aber die sind alle blau und haben teilweise auch noch Waschungen, da muss ich ein bisschen genauer planen, damit das am Schluss noch gut aussieht. Die komplett schwarze Jeans war zum Ausprobieren besser geeignet, dafür hat man da wieder das Fotoproblem😉

Ich hoffe die Anleitung hilft jemandem weiter oder inspiriert zumindest zu eigenen Änderungsideen. Generell kann man natürlich auch andersfarbige Keile einfügen, genauso bunte Beinsäume, Gummizüge in den Säumen, … ich überlege schon, ob ich eine Variante mache bei der ich an der Seite einen kompletten Streifen ausschneide, mit andersfarbigen Stoff ersetze und eine Schnürung darüber mache. Sieht sicher auch gut aus ^^

Ansonsten, wenn es Unklarheiten gibt einfach nachfragen ^^

Viel Spaß mit euren neuen, alten Lieblingsshorts wünscht euch die Hexe🙂

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